Fl.km 14+600 - 13+600

Bereits bei der Genehmigung zum letzten Entwicklungsabschnitt (Fl.km 15+675 – 13.800) stand fest, dass die Eigenentwicklungsbereiche zwischen Fl.km 14+600 bis 13+800 langfristig stabilisiert werden müssen. In einer Variantenbetrachtung im Jahr 2008 wurden die Sicherungsvarianten V-Rampe (Bauwerk mit rd. 0,2 km Länge von Fl.km 13+800 bis 13+600) und Offenes Deckwerk (Fl.km 14+600 bis 13+600) gegenübergestellt.

Diese Gegenüberstellung zeigte ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den beiden Varianten. Die Kostenschätzung ergab jedoch, dass die V-Rampe wesentlich höhere Kosten als das Offene Deckwerk verursacht. Daher wurde im Rahmen der Arbeitskreissitzung am 10.10.2008 für die Umsetzung der Variante Offenes Deckwerk entschieden.

Anschließend wurde die Planung für diesen 1 km langen Illerabschnitt mit allen modelltechnischen Betrachtungen (Wasserspiegellagenberechnungen und Grundwassermodellierung sowie morphologische Berechnungen) und landschaftsplanerischen Betrachtungen (Umweltverträglichkeitsstudie, FFH-Verträglichkeitsstudie, Landschaftspflegerischer Begleitplan und Fachgutachten Artenschutz) ausgearbeitet. Begleitend fanden geobotanische Vegetationsaufnahmen (Flora) statt.

Im Planungsprozess wurden zahlreiche Abstimmungsgespräche mit den Vertretern öffentlicher Belange geführt. Im Ergebnis wurde die Planung am 23.04.2010 im Illerforum in Vöhringen öffentlich vorgestellt (Präsentation siehe Downloads, Presseartikel siehe News).

Das Genehmigungsverfahren und die Umsetzung der Maßnahmen wurden erfolgreich beendet.

    Die Maßnahmen umfassen:
  • Technische Aufweitung (= Abtrag des Ufers mittels Bagger) der derzeitigen Eigenentwicklungsbereiche bis zu den bereits rückverlegten Uferwegen zwischen Fl.km 14+600 und 13+800
  • Rückverlegung der Uferwege um bis zu 40 m (Fl.km 13+800 bis 13+600) mit anschließender technischen Aufweitung,
  • Anlage von zwei Dynamisierungsbereichen (Abgrabung/Tieferlegung der Illeraue),
  • Aufhöhung der Flusssohle mit dem kiesige Material aus der Aufweitung und den
  • Dynamisierungsbereichen auf das Niveau des Jahres 2000,
  • Stabilisierung der aufgehöhten Flusssohle durch ein Offenes Deckwerk zwischen Fl.km 14+400 und 13+600,
  • Eigenentwicklungsbereiche zwischen Fl.km 14+600 und 13+600,
  • Sohl- und Ufergestaltung durch wechselnde Böschungsneigungen, Strukturelemente wie Raubäume und Wurzelstöcke und Flachwasserzonen,
  • Anpassungsmaßnahme für den Brunnen 3 Wochenau des Zweckverbands Wasserversorgung Illergruppe.

Strukturierte Iller nach Umsetzung der Maßnahmen.

Technische Aufweitung und Offenes Deckwerk

Zwischen Fl.km 14+600 und 13+600 wird das kiesige Material aus den Eigenentwicklungsbereichen auf die Flusssohle umgelagert. Damit wird die Sohle um 0,8 bis 1,1 m (Niveau des Jahres 2000) aufgehöht und um bis zu 20 m verbreitert.

Zwischen Fl.km 13+800 und 13+600 werden die Uferwege vorab um rd. 40 m vom Fluss zurückverlegt und anschließend das Flussbett technisch aufgeweitet und die Sohle auf das Niveau des Jahres 2000 aufgehöht.

Im Gesamtabschnitt wird die aufgehöhte Sohle strukturiert gestaltet (insbesondere Niedrigwasserrinne) und durch ein Offenes Deckwerk vor erneuter Erosion geschützt. Am nördlichen Ende des Sanierungsabschnittes nimmt diese Belegungsdichte kontinuierlich ab, um einen günstigen hydraulischen Übergang zur ungesicherten Sohle zu schaffen. Als zusätzliche Sicherung wird ein Querriegel aus Flussbausteinen bei Fl.km 13+600 eingebaut. Dieser wird nach Herstellung komplett mit Kies überschüttet und nicht sichtbar sein.

Nicht für die Sohlaufhöhung benötigter Kies wird in Form von Kiesinseln auf das Offene Deckwerk aufgebracht. Es werden vielfältig gestaltete Böschungen mit Zugangsmöglichkeiten zum Wasser angelegt. In Abstimmung mit dem Naturschutz und der Fischerei werden Strukturelemente (Raubäume und Wurzelstöcke) angeordnet. Die Vegetation auf den neuen Flussböschungen darf sich in freier Sukzession entwickeln.

Skizze der umgestalteten Iller im Querschnitt

Dynamisierungsbereiche

Auf beiden Uferseiten der Iller wird je ein Dynamisierungsbereich angelegt. Dazu wird vorab der Uferweg landeinwärts verlegt. Auf den Flächen der beiden Dynamisierungsbereiche wird die Vegetation entfernt und das Gelände um rd. 2 m mit Anschluss an das Flussbett der Iller abgetragen. Es werden vielfältig strukturierte Böschungen und wechselnde Sohlhöhen hergestellt.

Die Dynamisierungsbereiche werden der freien Sukzession überlassen. Aufgrund der häufigen Flutung mit Illerwasser und des verbesserten Grundwasseranschlusses wird die Entwicklung von Weichholzauen erwartet. Gleichzeitig leiten die Dynamisierungsbereiche bei Hochwasser Illerwasser in vorhandene Rinnensysteme und den 2008 hergestellten Auebach. Dies stellt eine Reaktivierung der Auwaldfunktion als natürlicher Hochwasserschutz dar und entspricht dem Ziel der naturnahen, ökologischen Entwicklung der Iller.

Dynamisierungsbereich West im Querschnitt

Anpassungsmaßnahme Brunnen 3 Wochenau

Regelprofil der Anpassungsmaßnahme (Dichtwand und Geländemodellierung)

Regelprofil der Anpassungsmaßnahme (Dichtwand und Geländemodellierung)

Der Brunnen 3 Wochenau des Zweckverbandes Illergruppe befindet sich im Auwald innerhalb des Überschwemmungsgebietes. Die durch die geplanten Ausleitungen häufigere Flutung von Rinnensystemen im Nahbereich des Brunnens kann zu einem erhöhtem Zustrom von Illerwasser in den Brunnen führen.

Um ggf. häufigere Verunreinigungen des Brunnenwassers sicher auszuschließen, wurde auf rd. 0,35 km Länge eine rd. 10 m tiefe Dichtwand geplant, die den Grundwasserleiter bis zum Flinz (Grundwasserstauer) absperrt. Eine Geländemodellierung (kleiner Wall) auf dieser Dichtwandtrasse verhindert die oberirdische Zuströmung zum Brunnen bei kleinem Hochwasser. Diese Maßnahmen sind eine wasserwirtschaftliche Anpassungsmaßnahme zur Vermeidung negativer Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung.