Offenes Deckwerk

Das Offene Deckwerk besteht in einer lockeren Belegung der Sohle mit größeren Steinen (Belegungssteine), die größer sind als das vorhandene Sohlmaterial. Die sohlstabilisierende Wirkung basiert darauf, dass diese Steine, die etwa die Hälfte der Sohle bedecken, dem Strömungsangriff des Hochwassers widerstehen und mit ihrem Strömungsschatten das feinere, natürliche Sohlmaterial der Iller „in Schutz nehmen“, das sonst abtransportiert würde.

Naturversuch Fl.km 11+300 – 11+000

Die prinzipielle Anwendbarkeit des Offenen Deckwerks an der Unteren Iller wurde bereits früher durch die Versuchsanstalt Obernach der TU München (VAO) bestätigt; die theoretischen Anforderungen an die Belegung (Durchmesser der Belegungssteine, Anzahl der Steine pro m² Flusssohle) wurden festgelegt.

Da Offene Deckwerke vorab nur an kurzen Gewässerstrecken und unter Randbedingungen eingesetzt wurden, die für die Iller nicht zutreffen, fehlte es für eine mögliche Anwendung an der Unteren Iller an Erfahrung. Daher plante man zuerst die Anlage einer Versuchsstrecke, die vor allem Aufschluss über die bautechnischen Anforderungen beim Einbau der Belegungssteine geben sollte. Darüber hinaus sollte auf der Versuchsstrecke die Beständigkeit des Offenen Deckwerks geprüft werden, bevor es auf längeren Flussstrecken zum Einsatz kommt.

Als Versuchsstrecke wurde der Illerabschnitt Fl.km 11+300 bis 11+000 ausgewählt und der Naturversuch im November 2004 umgesetzt. Da eine Befahrung mit Baggern nur bei geringen Fließtiefen möglich ist, musste die Ausführung in Niedrigwasserzeiten stattfinden.

Auf ca. 0,2 km Flusslänge und einer sich Unterstrom anschließenden etwa 0,1 km langen Übergangsstrecke belegte ein Greifbagger die Flusssohle mit dem Offenen Deckwerk. Im Gegensatz zur eigentlichen Versuchsstrecke nimmt die Anzahl der Steine innerhalb der Übergangsstrecke kontinuierlich ab. Damit wird die Kolkbildung im Unterwasser unterbunden.

Vor der Belegung im Fluss wurde ein Probefeld angelegt (Bild 1). Die Belegung (Bild 2) der insgesamt ca. 0,3 km Flusslänge nahm etwa 2,5 Wochen in Anspruch. Das Offene Deckwerk ist bei geringer Wasserführung durch die auftretenden Turbulenzen gut sichtbar.

Anlage eines Probefeldes (linke Abb.)

Bagger bringen das Offene Deckwerk auf die Flusssohle auf (rechte Abb.)

Erfahrungen aus dem Naturversuch

Die Bauausführung verlief rasch und ohne Probleme. Die Belegung mittels Bagger und die ökologische Bewertung der Naturversuchsstrecke sind durchweg positiv zu beurteilen. Die Beständigkeit des Offenen Deckwerks bestätigte sich beim Hochwasser im August 2005.

Eine Begehung und Vermessung der Naturversuchsstrecke im September 2005 ergab folgende Bilanz:

  • keine Schäden durch HW August 2005 (rd. 1.135 m³/s Abfluss),
  • Deckwerkssteine wurden kleinräumig umgelagert,
  • Bildung eines stabilen Korngerüsts durch Ablagerung von Grobkies,
  • keine Eintiefungen,
  • leichte Aufhöhungen (rd. 0,2 m).

Offenes Deckwerk nach Herstellung (links) und nach dem HW2005 (rechts)

Stabile Höhenlage

Die Vermessungen im Herbst 2009 bestätigten die stabile Höhenlage des Naturversuchsabschnittes. Zusätzlich zeigten die Daten, dass die Naturversuchsstrecke die Stabilisierung von rd. 1 km Illersohle nach oberstrom hin erzielt hat.

Stabilisierende Wirkung auf die Illersohle oberstrom der Naturversuchsstrecke